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STANFORD UNIVERSITY LIBRARIES

5

* in

Friedrich Schleiermache es

fammtlihe Werke,

. Erfte Abtheilung.

Zur Theologie.

Elfter Band.

———————— ————————— Berlin, gedruckt und verlegt bei G. Reimer. 4 840.

- u

Vf gemrn as | KL 0

& efhigte:

der

ige Uichen Kirche.

| Aus Schleiermaders handſchriftlich em Nachlaſſe und nmachgeſchriebenen Vorleſungen

herausgegeben

von

E. Bonrnell,

———— Berlin, gedruckt und verlegt bei G. Reimer. 1840.

JOHS 57 CKEN IH.“

IN Raypune

Sriedrih Schleiermader’s

literariiher Nachlaß.

Zur Theologie.

Sechster Band.

——. Berlin, gedruckt und verlegt bei G. Reimer. 1840.

659810

‚ur Vorrede .

Theil des en ae vortreffliche Grundlage für die beiden erften Perioden, konute jedoch nicht überall woͤrtlich in die Ausgabe aufgenommen werden, weil die Ausdrudsweife auch bier öfters aphoriftiih wurde und mandes für die mündliche Erörterung mur angedeutet war, zugleich aber bei der Vergleichung mit den nach— geſchriebenen Heften fich ergab, daß Schleiermacher in dieſen Vorlefungen fih zwar genau an fein Heft ges balten, in jenen jedoch vieles weitläuftiger ausgeführt hatte, was in Diefem nur angedeutet war. Die am ſorgfaͤltigſten nachgefihriebenen Collegienhefte ſtimmten⸗ naͤmlich großen Theils faſt woͤrtlich mit dem ausfuͤhrli— cheren Theile des Manuſcripts uͤberein, woraus man die enge Verbindung zwiſchen beiden erſieht. Daher ers ſchien es am zweckmaͤßigſten, um ein lebendiges und vollſtandiges Bild von Schleiermachers Wirkſamtkeit im ‚Gebiete der Kirchengeſchichte herzuſtellen, eine Repro— duction ſeiner Vorleſungen daruͤber zu verſuchen, alles Uebrige aber aus ſeinen Collectaneen, was mit dem Zus ſammienhange der Vorleſungen ſich nicht verſchmelzen ließe, als rkungen oder Beilagen anzufügen, Denn chleiermachers Geiſt entfaltete fich am reichften, lebens digſten und freieften gerade auf dem Katheder. Bei der A der Collegienhefte zu dieſem Zwecke fonderten dieſelben zunaͤchſt in die aͤlteren vom Winterfemefter 18 und die neueren vom Winterſemeſter 1825. Aus ßerdem hat Schleiermacher über Kirchengeſchichte im Jahre 1806 in Halle geleſen, wozu die Einleitung) im Origi— nal noch vorhanden. und als Beilage A angehängt iſt. Die oben erwähnten ausführlicheren Darftellungen ,, ſo— wie der größte Theil der Gollectaneen bis. Nr, 958 was ven, wie die nähere Bergleichung deutlich ergab, für. 1824 angelegt, ‚Die folgenden als Ergänzung. für Die letzte Vor— ung... Dsfter aber als dreimal hat. Schleiermacher, foviel ich weiß, über dieſen Gegenftand. überhaupt nicht leſen. Was er. felbft mit. dieſer Vorleſung bezwedte, ter. deutlich in feinen Einleitungen, mod), deutlichen, dafuͤr Die Ausführung, daher werde ich mich bier

vorrede. IX

nur auf die Rechenfchaft über mein Verfahren bei der Compofition des Ganzen befchränfen. Von den Collegienheften, welche zur Grundlage

der beabſichtigten Reproduction der Vorleſungen Dies nen follten, waren leider nur zwei aus der legten Zeit, aber glüdlicher Weife Das eine, des Herrn Prediger Braune, mit großer Genauigkeit und Ausführlichkeit nachgefchrieben, und Das zweite, Des Herrn Prediger Schubring, zwar nur auszugsweife aber fo forgs fältig concipirt, Daß beide zufammengefchmolzen an den meiften Stellen faft mwortgetreu die Vorlefung mieders gaben, wobei Die theilmeifen Ausarbeitungen und Die Collectaneen Schleiermachers als beftändiges Kriterium oder zur Ergänzung dienten. Ferner ergab ſich aus Vers gleihung der früheren und fpäteren Collegienhefte, daß zwar im Ganzen eine große Uebereinſtimmung zwifchen beiden berrfchte und Die fpätere Vorleſung Die bei weitem ausführlichere war, Daß aber doch manche Theile in der älteren umfaſſender behandelt waren; dieſe trug

ich Daher Fein Bedenken am gehörigen Orte einzufchals

ten, oder, wo Dies nicht thunlich war, als Anmerkungen unter den Tert zu feßen; und es unterfcheiden fich eben’ Diefe Anmerkungen von denen aus Schleiermachers Cols lectaneen felbft dadurch, daß lesteren die Chiffer Schl. beigefügt ift. Hierzu kommt, daß die Vorlefung 1824 fhon mit Dem Tode Huffens fchliekt, Die ältere aber bis zur Geſtaltung der theologifchen und Firchlichen Vers bältnifje Der ‚neueren Zeit fich erſtreckt, wie weit auch Schleiermachers eigene Sollectaneen reichen. Dieſer letz⸗ tere Theil, von ©. 558 an, mußte daher ganz aus den älteren Eollegienheften genommen werden, unter welchen fh Durch Volftändigkeit und Treue die des fel. Saus nier und des Hrn. Bangerom auszeichneten; wo

beide nicht ausreichten, konnte auch das von mir felbft nachgeichriebene Heft aushelfen. So hoffe ih, ift es mir gelungen, Durch moͤglichſt forgfältige, am philologis ſchem Studium geübte Sompofition aus ſchwer zu ents jiffernden und im Einzelnen, befonders in Namen und

—— . ——

. ——

Einleitung.

E⸗ tritt hier eine zwiefache Ruͤkkſicht ein, woruͤber wir uns verſtaͤndigen muͤſſen. :Bir behandeln bie Kirchengefchichte als teologifche Disciplin; auf der andern Seite iſt aber die Ge ſchichte nur Eins, und alles, was man heraushebt, ift nur ein Fragment der ganzen Weltgefchichte. Lafjen nun beide Gefichtss punkte fich vereinigen ober nicht? Nach allgemeinen Aeußeruns gen von mir an andern Orten muß man erwarten, daß ich das negire. Zur Behandlung der theologifhen Disciplinen gehört außer dem vwoiffenfchaftlihen Geifte ein Intereffe am Chriftens - tum und für feine Verbreitung. Kann dieſe Forderung auch) im allgemeinen feftgehalten werben, da die Gefchichte Feine theo⸗ logiſche Disciplin iſt? Nein. Allein gehen wir vom chriſtlichen Standpunkte aus, ſo wird bei Betrachtung der allgemeinen Welt⸗ geſchichte das Chriſtenthum das Ziel ſein, alles andere nur Vor⸗ bereitung, und fo koͤnnen wir ſagen, ed ſei kein bedeutender Uns terigieb in der Behandlung der Kirchengefchichte als Theil der Beltgeihichte und als theologifcher Disciplin. Der Unterfchied wäre nur ber, baß der Kirchengefchichte als theologifcher Disci⸗ plin mehr Ausführlichkeit in Beziehung auf praktifche Theologie und Dogmatik zulommt; und außer dem allgemeinen chriftlichen Geſichtspunkte, in ‚der Gefchichte alles anzufehen als Organ für Archeroeſchichte . 1

2 Einleitung.

das Leben, welches in. und durch das Chriftenthum gebildet wirb

fei fie noch für den Theologen befonderd darzuftellen. Dies wär

ein befonderer Accent, den manche Theile vor den andern be kommen.

Wenn wir nun davon ausgehen, baß eine folche Behand: lung der Weltgefchichte allein die richtige fei: fo wäre fein Wi berfpruch zwiſchen beiden Behandlungsweifen, da dies der eigent:

liche Geſichtspunkt für die Berrahtung der Gefchichte if. Kür

jeden wahrhaften Chriften, welcher auf der ginen Seite diefi Vielfeitigkeit hat, und auf der andern Seite auf der Richtung feftfteht, die das Chriſtenthum dem -Menfchen gegeben hat, wirt ed feine andere Behandlung ber Gefchichte geben. Bleibt alfe das Ghriftenthum feflftehend: - fo wird auch biefe Behandlung bleiben. Fragen wir aber nach dem Zuftande der Behandlung ber Gefchichte im allgemeinen und ber Kirchengejchichte im bes fonderen: fo finden wir, daß fie theils fehr audeinandergehen, theils nicht; das leztere müzt zum wenigften.

Veberall, wo von Gefchichte die Rede, ift dies von einem Beitverlaufe, und den fünnen wir uns anfchaulich machen nach ben zwei Endpunften A und B, die wir verbinden. Hier fehen wir nun, wenn wir von diefer urfprünglichen Formel ausgehen,

‚giebt e3 zwei Arten der Behandlung. Ich kann die Frage auf:

werfen, Wie ift B auß A geworden? Wenn nun A und B die Endpunkte bilden, und bie Gefchichte der Verlauf dazwis fchen ift: fo liegen andere Punkte dazwiſchen. Wenn ich nun fage, Ehe B wurde, war C u. ſ. w.: fo iſt Died auch eine Art bie Gefchichte darzuſtellen. Hier braucht Beine Gefinnung zu

fein deffen, der die Gefchichte darftelt. So kann alfo der Geſchichts⸗

verlauf dargeftellt werden von folhen, die von unferer Art ganz fern find; denn dies ift die Behandlung, wo beides nicht aus: einandergeht. Davor müffen aber wir und hüten; es ift nicht die Gefchichte dargeftellt, fondern ganz willkuͤhrlich daB alleräus ßerlichſte; es iſt eine atomiftiiche Darſtellung. Jedes aͤußerliche

Ginteltung. 3 aber ift ifolirt; eine Reihe von für fich gefezten und gefchriebes nen Momenten, bie Chronik. Dies ift dad allerniedrigſte; dad fo dargeftellte ift fehr gut zu brauchen ald Material, hat aber Feinen andern Werth ald biefen.

Jedoch giebt ed einen Gejichtöpunft, von dem aus fich dieſe Behandlung rechtfertigen läßt. Wil nämlich der Gefchichtichreis ber bloß referiren: fo kann er allein bie Außerliche Seite darſtellen; will er den urfächlichen Infammenhang geben: fo thut er mehr, ed wird died Sache ded Urtheild. Wenn nun Einer legt, Das Urtheil wird auf gar zu verfchiedene Weiſen gefällt: fo kann ein Anderer fagen, Gut, fo wollen wir die Gefchichte rein aufftellen, d. h. jeden in den Stand fezen, die Gefchichte zu feiner Erfahrung zu machen. Dann können wir bloß das Material geben, das Urtheil jedem felbft anheimftellen; dies ift der Hiftorifhe Skepticismus. Wenn wir und nun außer

jener Behandlung dieſe denken, daß der urfächliche Zufammens Bang aufgefucht werde: fo liegt es jedem ob, ber fich eine fo behandelte Gefchichtödarftelung zu eigen macht, diefen Zuſam⸗ menbang aufzulöfen und Relation und Urtheil zu trennen, Das mit dad Urtheil fein eigened werde, Wie ift nun dad Verhaͤltniß zwifchen dem darftellenden und aufnehmenden? Hat der barftellende eine bloße Chronik geges ben: fo kann er feine Hände volfommen in Unfchuld wafchen; er bat nichts gethan als die Sinne der Anderen repräfentirt, ihs ven Verſtand zu repräfentiven hat er ihnen felbft überlaffen, Kann das aber, jemand mit Recht thun? Bei dem beften Vor⸗ far, und alles Urtheils zu enthalten, müflfen wir doch in das Urtheil eingehen. Wir wollen nicht dialektifch fagen, daß fchon bad Auffefien des Gegenflandes ein Urtheil im fich ſchließt; als lein jeder Gegenftand ift unendlich, und die Darftellung ift im: mer eine Auswahl; Einiged wird immer müffen übergangen werden, und fragen wir mehrere, die berfelben Begebenheit beis wohnten: ſo werben wir die Auswahl verfchieden finden, und . 1

4 Einleitung.

das Warum liegt darin, daß das Urtheil ſchon der ſinnlichen Wahrnehmung beitrat. Jene bloß aͤußerlich ſein wollende Dar⸗ ſtellung wird alſo nicht rein fein. Nun tft es wahr, wenn man in dem Verhältniffe ift, mehrere bloß Außerlihe Darftelungen, zu vergleichen: fo kann da die Ergänzung ein äußerlihed Bild

gewinnen laſſen; es ift aber dann Die eigene Sache, fi daraus ben Erfolg zu bilden, und es fragt fih, Kann eine bloß Aus -

Berliche Darftelung und bie Anleitung geben, den Erfolg zu

conftruiren? Wenn ich mir aus der äußerlichen Thatfache den Exs '

folg conftruiren fol: fo frage ich, Welches find die Menfchen, die fo gehandelt haben? Das ift ein innerliched; und. ift mir das nicht gegeben: fo muß ich zunächft aus der dargeftellten Reihe

von Momenten mir ein Bild von den Menfchen machen, und.

dann kann ich mir erfi den geichichtlichen Erfolg conftruiren. Es fehlt und alſo etwas wefentliched, wenn wir allein den Außerlichen geichichtlichen Verlauf haben. In welchem Falle befinden wir uns aber, wenn Wir eine gefchichtlihe Darftelung haben, bie neben ben discreten Momenten einen Caufalzufammenbang giebt, d. h. pragmatifch iſt? Wir müffen prüfen, ob das Urtheil diefer

Menfchen genau iſt; je genauer ich Relation und Urtheil tren⸗ nen kann, um befto beffer werde ich mein Urtheil bilden. Ed

kommt alfo heraus, daß fich jeder feine Gefchichte felbft machen muß, die er in fich haben will. Chronik ift allein Aggregat der einzelnen Momente; trabitionel kann ich nur etwas aufnehmen, wenn ich auf mein Urtheil verzichte,

Iſt das aber die einzige Form für die allgemeine Behands

tung ber Geſchichte, wenn wir fragen, Wie ift B aus A gewors .

den? Dort gingen wir davon aus, bag A etwas fei, was bloß äußerlich gegeben ift. Wenn wir nun ein wirkliches ganze neh men, 5. B. die Gefchichte eines Staated von feinem Anfange an: fo ift da unfer A die Menfchen, die dort an dem Orte leb⸗

- u —— Au ul 347 AS. : [sd

ten, ehe fich der Staat gebildet hatte und welche ihn bildeten. "

Iſt nun bien nichts innerliches, bad ich gleich von vorn herein

Ginleitung. 5

kann in Betracht ziehen oder hintenanſezen? Thue ich lezteres: ſo kann ich bloß eine einzelne Reihe bekommen, wo ſich zwar Cauſalzuſammenhang ergiebt, aber doch Feine eigentliche Reihe if; betrachte ich das innerliche: fo „befomme ich einen andern Sufammenhang und Darftelung, ald die Behandlung bei der Frage, Wie ift B aud A geworden. Das innerliche ift Inſtinkt oderRaturnothwendigkeit. Wernachläffige ich bad innerliche: fo müflen wir fagen, Es war Zufall, daß ſich die Menfchen fo vers eintenz lege ich aber das innerliche zum Grunde: fo wird die Bes handlung eine andere. Ich fage nämlich, Hier hat fich eine ges wiffe Nichtung in ben Menfchen entwiffelt, die vorher in ihnen fhlummerte, und frage nun, Wie hat fich diefe Richtung weiter entwikkelt, und was für Relationen find zwifchen ihr und ans deren menfchlichen Richtungen entflanden? Hier gewinne ich lo ein innerliches A; ich hange mit meiner Betrachtung an einem imnerlihen, nicht wie ed für jich iſt, fondern wie es fih in ber Zeit entwikkelte. Nun ift nicht das verfchiedene der Momente, fondern ein und baffelbe mein Gegenfland, organifhe Betrachtung der Gefhihte Aber fras gen wir, Wie ſteht ed bei folcher Behandlung mit dem Bers haͤltniſſe zwiſchen dem barftellenden und aufnehmenden : fo kommt alled darauf an, ob fie einen und benfelben Glauben habenz und die Gefchichtödarflelung des Einen kann nicht3 fein ald ein Ampediment für die Gefchichtödarftielung deſſen, der einen ans - dern Glauben hat. Glaubt der Eine, es giebt eine innere Rich⸗ tung in ber menſchlichen Natur auf Vereinigung aller Sträfte, Die der Menfch anwenden muß, um die Natur zu beherrfchen, sınd davon feien alle Staaten ausgegangen; und glaubt ber ° Andere es nicht, fondern meint, jeder Menfch wolle fo wohl in feiner Haut fein als möglich, und da haben fie ed für das befte gehalten, fich mit anderen zu vereinigen: fo wird für beide eine verfchiedene Darſtellung der Gefchichte nothwendig fein. Es fommt alfo bei der organifchen Betrachtung ver Gefchichte bes

6 Einlettung,

ſonders auf die Ibentität der Grundüberzeugungen an, und ; befonder8 bei der Kirchengefchichte,

Es wird jeder einfehen, daß, wo e3 entgegengefezte teten giebt, jede gefchichtliche Darftellung, wenn fie den Ge faz betrifft, eine andere ift, als die Darfiellung von der er gengefezten Partei, wohin auch die moralifchen Anfichten verſchiedenen philofophifchen Schulen gehören. So wie wir Sean Jacques Rouffeau ald Gefchichtfchreiber denken, der 5 aller Eultur ift, von ihr das Verderbniß der Menfchen able fo wird der Zuſammenhang hoͤchſt Außerlich dargeſtellt fein ſchen den Sortichritten der Eultur und den fittlichen Verderbni Menn wir alfo den Zufland der chriftlichen Lehre in diefer ziehung betrachten und von der größten Differenz anfangen len: fo bat es Menfchen genug gegeben, die das religiöfe | für etwas nichtiged erklärten. Wird von dieſem Standpv aus die Geſchichte gefchrieben: fo werden wir ed natürlich den, bag ſolche Menfchen die Streitigkeiten des Chriftenth mit ben Herenprozefien auf gleiche Stufe ftellen, indem fie gen, wie die Menfchen dadurch ihre Thaͤtigkeit von etwas lichem auf das nichtige wenden. Gehen wir weiter: fo fi wir Andere, welche dad religiöfe ald etwas allgemeined g lafien, und ald Nefultat von der Religion bloß die Befoͤrde ber äußeren Sittlichfeit annehmen. Auch hier wird von An an dad eigenthümlich chriftliche in einem nachtheiligen Licht feinen; eine folche Kirchengefchichte wird nicht viel anders fallen als jene, die Begebenheiten felbft werden nicht ihren. rakter rein an fich tragen, und das Urtheil hat fchon etwas teiiſches. Nun aber gehen wir noch weiters fo finden wir felbft in einem Zuftand der Spaltung der chriftlichen Kirche; reden von bem Gegenſaz zwifchen Occident und Orient, unt nerhalb jenes zwiſchen römifchen und evangelifhen. Unmoͤ kann hier die Geſchichtsdarſtellung des einen oder andern T diefelbe fein; daher ift es natürlich, daß auch hier von An

Elnleitumg. | 7

an ſchon die Auffaffung des gefchichtlichen fich fonderte, und jes der fein eigened Gebiet der Tradition hat. Wir flelen die Hef:

iigkeit des Streites bei ber Reformation nach dem Prinzip dar,

weiches zum Grunde lagz die Katholiten nennen ed ein anarchi⸗ ſches Prinzip, und wir können ed nicht anderd verlangen. Wenn man num bad zu einer Zeit auch hat ausdehnen wollen auf die verfchiedenen Zweige ber evangelifchen Kirche: fo kann das nur in einem fehr beichränkten. Gebiete ftatt gefunden haben. Betrach⸗ tm wir aber die entgegengefezten Anfichten ber evangelifchen

- Kirche in unfter Zeit: fo müffen auch diefe Parteien nach ihrer

ganzen Darftelung verfchleven fein; die Gegenfäze von Ortho⸗ borie und Neologidmus, von Supranaturaliömus und Rationa⸗ lizmus müffen auch in biefe Darftellung übergehen.

Nehmen wir num die Frage nach dem Verhältniffe zwifchen dem darftellenden und ayfnehmenden auf: fo fehen wir, daß Diejenigen, die ihre tbeologifche Anficht fich erft bilden follen, ganz anders zu Stande Fommen ald diejenigen, welche fie fchon baben. Wir fehen bier zwei entgegengefezte Verhältniffe. Es kann fid) der Eine fein Spftem über die religiöfen Gegenftände vollfommen fertig gemacht haben, und "will nun erſt die Ges

- Wichte kennen lernen, aus der diefe Gegenfäze entflanden, über

die er ſchon entſchieden; der Andere meint, er koͤnne nicht eher ſeine Anſicht vollkommen bilden, bis er die Gegenſaͤze aus der Geſchichte kennen gelernt. Beides iſt wol nicht richtig. Das erſtere kann ſehr voreilig ſcheinen, dagegen ſcheint das leztere nicht zum Ziele zu fuͤhren, ſondern die Entſcheidung bis ins mendliche hinauszuſchieben. Was ſollen wir alſo hier fuͤr das nichtige anſehen, und in dieſer Beziehung für das erklären, was Das geicichtliche Studium Ieiften kann? 1) Es wird niemand ohne dafjelbe zu einer feſten Entfcheidung fommen, und 2) ed wäre nicht die rechte Art dazu zu kommen, wo man bloß durch das geichichtliche Studium dahinkommen wills man hätte doch nur bie entgegengefezten Anfichten gezahlt oder gewogen. Denn

8 Gintektung; : es überwiegt für unfere Anficht das, was überrebend tft, und. darin kann viel falfches fein; wir müflen es alſo aufgeben, felbft - theologifche Anfichten aus dem gefchichtlichen Studium allein zu bilden. Auf der anderen Seite iſt das entgegengefezte voreilig.

Etwad anderes ift Die Enticheidung bed Gemuͤths über den Glaubens fie muß von allem biefen unabhängig fein, denn fie ift diefelbe für den Chriften und Theologen, und liegt auf einem tiefen Gebiete als dem wiffenfchaftlihen. Aber wenn auch das tiefere Gebiet des Glaubens unabhängig fein muß: fo gehört doch auf dem theologifchen Gebiete die wiffenfchaftliche Weife Dazu, um den Gegenfaz einzufehen, und es iſt leicht zu begreis fen, wie auf dem wiffenfchaftlichen Gebiete diejenigen die heftige fien Gegner waren, bie in Beziehung auf ben Glauben überein. flimmten.

- Man kann alfo Feine Ueberzeugung gewinnen ohne gefchichte liche Kenntnig. Daraus fcheint hervorzugehen, baß beides neben einander forsgehen muß, und erfi mit einander befichen Fann, Bildung des Syſtems und gefchichtliched Stubium. Die völlige Beflimmung ded Syſtems kann aber nur durch die Vollendung bes geichichttichen Studium entfliehen. Daraus folgt, daß wie nicht eher eine vollendete Gefchichte haben, bis es keine Streitig⸗ feiten mehr geben wird auf bem Gebiete der Lehre nach allen Seiten hin, und das tft nicht eher möglich, als bis der gefchicht= liche Lauf vollendet iſt, und bie Kirche in einer abgefchloffenen Region zur Ruhe gekommen. Daraus geht hervor, bag je mehr die entgegengefezten Bewegungen auf dem Gebiete der Lehre leb⸗ baft find, um fo weniger folche Zeiten zu einer geichichtlichen Production tauglich find und umgekehrt. Was heißt dad anz ders, als es muß dies beides ſich ablöfen? Aber das ſchließt in fi, daß dies zwei entgegengeſezte Richtungen feien, bie Rich fung zur Auffaffung bed gekhichtlichen, und die Richtung zur Abſchließung des Syflemd. Das heißt aber nicht, wo das Eine iſt, Bann das Andere nicht fein, fondern wir müffen und gleich

Einleituug. 9 darüber verſtaͤndigen, daß Einer Alles fein kann, aber mit einer eminenten Kraft und zu Einer Zeit doch nur das Eine.

Wie die Sache nun gegenwärtig ift, wo die Bewegungen auf dem Gebiete ber Lehre fehr lebhaft find, wie fleht ed um die geichichtliche Darftelung? Sie wird mefentlich tingirt feinz und wenn einer unparteiifch fein will, ıft Acht zu geben, ob er nicht gleichgültig ift in Bezug auf die Gebiete, wo dieſe Ges genfäze find. Nun fcheinen fich die aufnehmenden am beften zu helfen, wenn fie folhe Darftelungen, die die jezige Zeit bes handeln, der Zukunft überlaffen und fi am alten halten. Als lein ed wird Feine ältere Darftelung geben, bie der gegenwärtis gen Anficht und "wiffenfchaftlichen Forſchung genügte; wir gehen nur bis auf die Mitte des vorigen Jahrhunderts zuruͤkk, denn alle Fortichritte in der Kritik find auch FZortichritte in der ges Khichtlihen Darftelung. Dad Material alfo ift unvollfländig

darin enthalten; einzelne Punkte mögen aufs reine gebracht fein, viele find ed nicht. Anderd iſt die Methode der Autodis Daten, fich an Feine gefchichtliche Darftelung zu ehren, fona dern ſich alled aus den Quellen felbft zu machen; das wäre freilich die vollkommenſte. Aber offenbar kann man das nicht leiſten und fol es auch nicht; denn wenige nur würden fo weit kommen ald man früher ſchon ſtand, und für niemand follte doch die Darftellung früherer Zeiten verloren gehen. Es ift zwar nicht zu rathen, fi ganz mit abgeleiteten gefchichtlichen Darftellungen zu begnügen, fondern fich auch nach den Quellen umzufehen, um fich von jedem charakteriftifchen Geifte eine eigene Anichauung zu verichaffen, nicht jedoch, um dad ganze Werk von vorm ans zufongen. Muß man fich alfo an Darftelungen halten, und ges nuͤgen die früheren nicht: fo ift der die Darftellung auffaſſende am beften daran,’ je klarer der darſtellende hinftellt, zu welcher Seite er gehört. Iſt das klar: fo wird ed leichter die nöthigen Rebuctionen zu machen, und fich ſelbſt Rechenfchaft zu geben, wie daffelbe von der entgegengefegten Anficht aus erfcheinen möchte.

10 Vinleitung.

Mein Standpunkt in dieſer Beziehung liegt in der Dog⸗ matik ausgeſprochen, und ich will nur Eins erwaͤhnen uͤber das⸗ jenige, was ſich auf bie jezigen GegeMfäge bezieht, dag nämlich nach demfelben die Geichichte der chriftlichen Kirche weit mehr als ein für ſich abgeichloffenes. ganze behandelt werden, kany, als von andern Anfichten aus, infofern ich weniger ald andere Theologen das Chriftentyum für Zortfezung des Judenthums halte. Das ift nicht fo gemeint, wie ed ift auögelegt worden, als ob Chriſtus eben fo gut bei ben Griechen hätte geboren wer⸗ den Fünnen. Er mußte da geboren werden, wo er feine Wirk. famfeit am leichteflen ausüben und die wenigften Hinberniffe finden konnte; Died konnte er nicht bei einerh polytheiftifchen Volke. Auch die Heiden, die zum Chriſtenthum kamen, waren ja ſchon monotheiſtiſch afficirt.

Ueber den muͤndlichen Geſchichtsvortrag und ſeine Gremen muß noch dies geſagt werden. Ueberall iſt eine gewiſſe Differenz zwiſchen der Wirkſamkeit durch die unmittelbare Rede und der Wirkſamkeit durch die Schrift; nicht ſo als ob ein unbedingter Vorzug auf der einen Seite laͤge, ſondern jede hat ihr gutes. Die Schrift beguͤnſtigt mehr die eigene Ueberlegung, da man gleichzeitig das fruͤhere und ſpaͤtere vor ſich hat, und Herr uͤber jeden Punkt iſt, um auf den vorigen zuruͤkkzugehen. Fragen wir nun, Wie iſt es eigentlich mit dem Auffaſſen der Geſchichte, iſt ſie ein Studium, das beſſer aus Buͤchern gewonnen, oder beſſer durch muͤndlichen Unterricht mitgetheilt wird? Gewiß die erſte Art. Und grade beim geſchichtlichen Studium moͤchten wir die Methode der Englaͤnder billigen, wo jeder fuͤr ſich Geſchichte aus den entgegengeſezten Darſtellungen ſtudirt, und nur Einer der Conulent iſt, der das eigene Studium leitet. Es iſt heilſam und unentbehrlich, eine Darſtellung der andern entgegenzuſezen, um Alles rein aufzufaſſen. Daher werde ich alſo den muͤndli⸗ chen Vortrag nicht anſehen als das, woraus bie ausführliche Geſchichtskenntniß am beſten gewonnen wird, ſondern, ſofern es

Einleitung. | 1 auch hier einer Wirkung auf ben Gedanken bebarf, bag allge meine Gefichtöpunfte feflgeftellt werben müffen, und in Büchern die gefchichtliche Darftellfng mehr. der Chronik und dem Prags matisſsmus angehört, die organifche Darftelung aber oft vernach⸗ laͤſſigt wird. Nachdem alfo dad Material vorgenarbeitet ift, iſt ber mündliche Vortrag an feiner Stelle dies zu verarbeiten. Es iſt nicht meine Abficht geweſen, died für eine Genfur der gewoͤhn⸗ lichen Vorträge auözugeben; es kann ja der münbliche Vortrag Die Stelle des gefchichtlichen Werkes vertreten, befonderd wenn er nachher ein ſolches Werk wird. Jedoch wird died nicht ges ſchehen, wenn nicht dieſe Methode gleihmäßig auf alle Disciplis nen bei und angewandt wird. Ebenſo ift es mit der neutefle- mentlichen Eregefe, welche, wenn fie blog Commentar ift, beſſer aud den vorhandenen gedrufften geholt wird; fo iſt denn der wöünbliche Vortrag mehr eine Anleitung zum Studium der Bis

er. Anders war es im Anfange des alademifchen Unterrichts, wo man Mangel an fchriftlichen Hülfsmitteln hatte.

Wenn wir nun den ganzen Umfang ber Kirchengefchichte betrachten: fo finden wir auch fhon eine Verfchiedenheit in der Behandlung, und biefe hat ihren Grund nicht in dem Maaße, das dem mündlichen Vortrage vorgefchrieben iſt. Es giebt eine. Weiſe, die. Gegenflände zufammenzufaffen oder zu trennen. Ihre Zufammenhörigfeit wird fich jeder Elar machen Tonnen, aber fhwer ift es z. B., die Dogmengefchichte von der Kirs chengeſchichte zu trennen, fo daß fie Gefchichte bleibt, und auch die Kirchengefchichte nicht einen Theil ihred Inhalts vers Wert; jedoch iſt dies auch der Kal bei fchriftlichen Werken. Ums faſſen wir dad ganze Gebiet, dad und ald gefchichtliched Refultat bed neuen Lebens gegeben ift, welches durch das Chriftenthum im das menfchliche Gefchlecht kam: fo laͤßt fich eigentlich keins vom andem fondern. Gewöhnlich ſieht man die Sache jo an, bag bad die beiden Hauptzweige der Gefchichte fein Ges ſchichte der chriſtlichen Lehre und Geſchichte des

12 Einleitung.

hriftlihen Lebens, und das läßt fich rechtfertigen, wenn das Verhältnig zwifchen beiden Far aufgefaßt wird. Nun möch- ten wir fagen, So gut wie wir jn ber &ehre Moral und Dogs matik trennen, müflen wir in der gefchichtlichen Behandlung auch beided trennen, und das bogmengefchichtliche abgefondert behandeln koͤnnen, alfo Gefchichte der chriftlichen Sittenlehre und Geſchichte der chrifilichen Glaubenslehre. Ebenfo möchte man. “auch die Gefchichte des chrifllichen Lebens fondern, das auch wies ber etwad zufammengefezted if. Da tritt und namlich entgegen das, was die Gemeinfchaftlichfeit ber chriftlichen Handlungsweiſe zufammenhält, d. h. der Gottesdienſt, wie fich berfelbe ents wikkelt und eine Geftalt in verfchiedenen Voͤlkern und Zeiten angenommen hat. Dad chriftliche Leben ift eine beflimmte Art zu handeln; der Cultus ifi entweder ein Mittel, um die Hands lungsweiſe in ber rechten Uebereinftimmung zu halten, ober der gemeinfchaftliche Ausdrukk defjen, was Grund der Uebereinflim« mung ifl. Nach dem erften wird nicht daffelbe fein die Voll⸗ | kommenheit diefer Gemeinfchaft und die Vollkommenheit dieſes Mittels; wir koͤnnen uns denken, dag .der Cultus vortrefflich ift, aber die Wirkung nicht daraus hervorgeht. Ebenfo kann auf der andern Seite das chriftliche volfommen fein, aber es fehlt an ben rechten Subſidien. Wo nun ein verfchiedened Maaß ift, ba ift auch ein verfchiedener gefchichtlicher Verlauf, und die Mög: Yichkeit einer abgejonderten gefchichtlichen Behandlung für Die Gegenftänbe.

Nehmen wir das chriftliche Leben für fih: fo iſt Sitte das, was mehrere Menfchen, die in Verbindung ftehen, auf gleihmäßige Weife thun; fobald es einen feften Buchftaben dar⸗ über giebt, der Sanction hat: fo iſt es Gefez und Geſezmä⸗ ßigkeit. Im der chriftlichen Kirche fol ed zwar nicht eine folhe geben, weil in berfelben Alles Sitte, d. h. vom innern Impuls aus gemeinfchaftliches Thun, und Feine Außerlihe Macht da fein fol, die diefe Sanction giebt. Das ift aber noch nicht

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Einleitung. 13

das ganze chriſtliche Leben, dazu gehoͤrt auch die Form, wie die Menſchen in der Kirche verbunden ſind, d. h. die Sonderung zwi⸗ ſchen Verfaſſung und Sitte und zwiſchen Verfaſſung und Cultus. Zwar wird der Gottesdienſt durch die Verfaſſung be⸗ ftimmt, aber es kann ſich doch der Cultus erhalten und die Vers faffung fi) ändern, und es läßt fich bei derſelben Verfaſſung ein fehr verfchiedener Zuftand des chriftlichen Lebens denken unb umgekehrt. Alles Zweige, die fich abgefondert betrachten laſſen. Zerner hat fih ſowol in Bezug auf den Gottesdienſt alß - in Bezug auf die Tradition des Chriftentkumd an bie anderen ein befondered Geſchaͤft gebildet, und die daran Theil nehmen, bilden mehr oder weniger in ber chriftlichen Kirche einen eigenen Stand; ed haben dazu gewiſſe Fertigkeiten und Stenntniffe ges hört, die die Theologie im engeren Sinne bilden. Diefer bat deinen Werth vorzüglich dadurch, wie die Lehrer felbft vom Geifte des chuiſtlichen Lebens durchdrungen find; aber in fofern hat er Feine Gefchichte, als dies aus dem Geift des öffentlichen Lebens hervorgeht. Aber in Beziehung auf die Wiffenfchaft ' und bie verſchiedenen Disciplinen, welche fih in Bezug auf dies Ges ſchuͤft gebildet haben, hat die Theologie ihre eigene Gefchichte, welche jedoch von der Entwikklung der chriftlichen Lehre getrennt if. Auch diefer Gegenftand liege fich alfo einzeln behandeln als Geſchichte der Theologie. Nun aber fehlt noch etwas, das rein Außerliche, was fich. bloß auf den Raum’ bezieht, denn alle Vereinzelungen in ben bisherigen Beziehungen, obgleich fie fich erft recht von einander fondern Fünnen, wenn ein gewiffer Um⸗ fang gegeben ift, können doch gedacht werden, ohne daß bie chriſtliche Kirche größer wird. Die Gefchichte der räumlichen Vers hältniffe der chriftlichen Kirche bildet daher wieber etwas eiges ned, und ber Vortrag von diefen liege ſich alfo auch iſoliren. Nun erſt haben wir Alles beiſammen. Wie ſollen wir nun urtheilen uͤber dieſe Art, den geſchicht⸗ lichen Complexus zu behandeln? Wir werden nach zwei Seiten

14 Einleitung.

gezogen. 1) So wie man eingeſehen, daß etwas ein beſonderes Glied iſt, ſo iſt eine Neigung da, es fuͤr ſich zu verfolgen. Wie nun bei ſolcher Betrachtung das Material bis ins unendliche waͤchſt, ein eigenes Urtheil aber nur moͤglich iſt, wo das ganze Material zuſammen iſt: ſo muͤſſen wir ſagen, in dieſer Richtung fortgehend wird man ſich verirren, wenn man nicht die einzelnen Zweige ſondert. 2) So wie die Kraft, die durch das Chriſten⸗ thum in das menſchliche Geſchlecht kam: ſo iſt auch ihre Wirkung nur eine. Wenn das alſo Alles Eines iſt, ſo haben wir auch nur die rechte geſchichtliche Betrachtung in dieſem Einsſein. Es wird daher uͤberhaupt eine zweifache geſchichtliche Behandlung geben, 1) eine einzelne Gebiete ſondernde; 2) das Ineinander⸗ ſchauen alles einzelnen. Wir koͤnnen uns von keinem von bei⸗ den losſagen, denn das leztere iſt die lebendige Anſchauung, und durch das erſtere entſteht die Klarheit und Lebendigkeit und rechte Wuͤrdigung des einzelnen.

Wenn wir dagegen zuruͤkkgehen auf das Verhaͤltniß des darſtellenden und auffaſſenden: ſo werden wir ſagen muͤſſen, ber erſtere kann fih um bed lezten willen in ein vers fchiedened Verhaͤltniß zur Sache fielen. Wi er Alles thun: To muß er beides verbinden, ober jebes in feiner Zeit betrachten. Oder er kann auch fagen, Ich will das Eine thun, und dad An» bere anderen überlaffen. Ebenfo der auffaffende; derjenige, der ſich einen überwiegenden Sinn für Gefchichte zutraut, kann fa gen, Ich will die Materialien haben, die Zufammenfhauung will ich mir ſchon machen. Wer ſich das nicht in gleichem Maaße zutraut, dee wird ber gefchichtlichen Anfchauung anderer nachges ben, bis ihm die Gegenftände felbft gegeben find, Es ift aber nicht zu läugnen, daß der gefchichtliche Geift ein Product des Alters iftz man- muß erſt in dad allgemeine Leben verflochten gewefen fein und eine Zeit durchlebt haben. Es gehört dazu auch eine gewiſſe Ruhe und Leidenfchaftslofigkeit, die nicht An⸗ theil der Zugend iſt; fo wie es Gegenfäze giebt, verdirbt eine

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der Leidenfchaftlichkeit fih nähernde Stimmung das richtige Aufs

faſſen. Wenn es nun der Zwekk iſt, die Selbſtaͤndigkeit, d. h. die agene Anſchauung der Geſchichte zu bekommen: fo iſt bad bad nichtigſte; aber weil es dad Ende iſt: fo iſt ed nicht der Anfang, und da das bloße Zufammentragen ded Materiald etwad mechas niihed und häufig genug fehon vorhandenes ift: fo müfjen wir anfangen mit bem Zufammenfchauen bed ganzen bei einem mäs figen Material. Ich werde daher die befondere Beziehung aller Theile des chriftlichen Lebens entwikkeln, und dazu wird eine mäßige Auswahl aus den hesvorftechendften Regionen des Chris ſtenthums binlänglich fein ald Material. Große Werke, worin die Materialien nach allen Seiten hin gefammelt jind, haben wir in großem Maaße, und der Zeitraum von ber Reformation an MR von einer Fruchtbarkeit geweien, die Fein anderer Zeitraum aufzuweifen hat. Aber die Anfchauung des Ganzen im Einzels nen Tann in einem fo großen Werke weniger mitgetheilt werben. Wenn wir ed alſo darauf anlegen, fo müffen wir der von außen gegebenen Skizze etwad congruentes gegenüberflellen von innen. | | Wir gehen davon aus, daß Chriflus ber Anfang ift einer neuen Periode in der Weltgefchichte; wir wollen es aber nicht mit der weltgefchichtlichen Wirkung des Chriftenthumd zu thun haben, ſondern fehen, wie diefe Kraft in dem Organismus, den fie aus ſich ſelbſt heraudgebildet, in der chriftlichen Kirche fich gefchichtlich entwilfelt Hat. Da müffen wir freilich etwas allge wein anfangen, wie überhaupt irgend eine geiflige Kraft etwas geihihtliched wird, und das führt und auf den Gegenfaz zwis fchen etwas Außerem und innerem. Alles was wir vorhin aus führten, dad chriftliche Leben und die Lehre, iſt das äußere, ber priftliche Geiſt dad innere, und unfere Frage ift, Wie hat ſich diefer von Innen heraus zu der gefchichtlichen Aeußerung ent⸗ wikkelt? Das Verhaͤltniß des inneren und äußeren fann ein

16 ı Ginteftung,

zwiefaches fein, 1) das innere bildet: ſich dad äußere zugleich;

dies ift der Fall bei aller natürlichen Erzeugung, da ift der Gift?

bad urfprüngliche, das leibliche bildet er fich felbft. Aber ein ganz anderer Fall iſt 2) wo eine geiflige Kraft dad äußere fchon findet und es durchdringen fol; das ift im Gegenfaz ges gen die natürliche die gefchichtliche Erzeugung. Auf bies fem Gebiete können wir es und nicht anderd denken, ald bag der Geift auf urfpräingliche und fchöpferifche Weife in das menfchs liche Gefchleht kam und fi) mit ihm verbunden hat, aber fo, Daß ed von Anfang an ein fremdes war. Da ift alfo zweier Vei, 1) die Stärke, mit welcher der chriftliche Geiſt bas in Beſiz

genommene durchdringt, Intenſion; und 2) wie der Geift in

dieſem Beſiz fich immer mehr nach außen verbreitet, Extenſion. Daraus iſt die chriſtliche Geſchichte zuſammengeſezt, darauf muͤſ⸗

ſen wir alles zuruͤkkfuͤhren, ohne es zu trennen; die Vollkom⸗ | menheit wird nur fein in ber Gleichmäßigkeit.von beiden. Nun

iſt aber. jebed gefchichtliche Leben aus dieſen beiden zuſammen— geſezt.

Wenn man von dieſer Vorausſezung nicht ausgeht, daß durch die Erſcheinung Chriſti ein neues Prinzip in die Menſch⸗ heit gekommen iſt: ſo haben wir kein Recht, eine abgeſchloſſene Geſchichte des Chriſtenthums aufzuſtellen; es iſt dann nur ein

Glied in der Entwikklung des menſchlichen Geiſtes. Wenn ferner

die Stiftung der chriſtlichen Kirche etwas zufaͤlliges waͤre: ſo quali⸗ ficirte es als ſolches ſich nicht zu einer beſondern geſchichtlichen Betrachtung. Denn z. B. wenn ein Staat auf einer wahren Volkseinheit beruht, iſt er ein abgeſchloſſenes ganze und ein

ſelbſtaͤndiger geſchichtlicher Gegenſtand; nehmen wir aber Staa⸗

ten, wie die kleinen Fuͤrſtenthuͤmer des ehemaligen deutſchen Reiches: fo iſt das ein zufaͤlliges, und wenn in dieſem Raume auch noch ſo viele merkwuͤrdige Begebenheiten vorgefallen waͤ⸗ ren: ſo waͤre dies kein ſelbſtaͤndiger geſchichtlicher Gegenſtand,

kein wahrhaftes ganze fuͤr ſich, ſondern ein aus Fragmenten

IM.

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eialettang. 17 zuſammengeſeztes. Iſt nun aber Chriſtus bloß primus inter pa- res, fo iſt eine auf